Mirjam Berle herself

Turbulente Zeiten bringen mich zu Höchstleistungen. Sie sind mein Element. Egal, ob eiskalte oder kochende Gewässer, wo sich etwas bewegt oder schmilzt, lässt es sich neu formen. Dann ergeben sich Chancen, Dinge zu verbessern und schneller voranzukommen.

Über die Autorin
24. April 2026
Lesezeit: 7 Minuten

Werte führen! Bewusst oder nicht.

Werte führen. Bewusst oder nicht.

Inhalt:

Werte sind immer aktiv aber selten bewusst.

Ehrlichkeit. Respekt. Verantwortung. Klingt gut, aber sagt erst mal wenig. Unternehmen drucken diese Werte auf Hochglanzbroschüren, rahmen sie in Meetingräumen ein und erarbeiten sie in Workshops, die einen halben Tag dauern und deren Ergebnisse danach in Schubladen verschwinden.

Dabei passiert das Interessante woanders: Im Unterbewusstsein. Werte wirken immer – unabhängig davon, ob wir uns mit ihnen beschäftigt haben oder nicht. Sie filtern, was wir wahrnehmen, beeinflussen, wie wir auf andere reagieren und letztlich auch, welche Entscheidungen wir treffen.

Gerade als Führungskraft lohnt sich die Frage: Was treibt mich wirklich an und wie bewusst bin ich mir dessen?

Wenn du das weißt, führst du klarer – auch dann, wenn im Außen wenig Halt da ist.

Unterscheidung zwischen Wertegerüst und Wertesystem

Um besser zu verstehen, wie Werte in unserem Alltag wirken, hilft die Unterscheidung zwischen Wertegerüst und Wertesystem.

Das Wertegerüst gibt uns Halt, wenn äußere Sicherheiten wegbrechen. Wir können uns darauf stützen, wenn es stürmisch wird.

Das Wertesystem gibt uns Orientierung. Es beschreibt, wie unsere Werte zusammenwirken, wie wir damit Situationen bewerten, Entscheidungen treffen und auf andere reagieren. Oft geschieht das intuitiv und ohne langes Nachdenken.

Im Alltag brauchen wir beides: das Gerüst zum Stehen und das System zum Steuern.

Gefühle sind Botschafter

Werte zeigen sich in der Regel zuerst in Gefühlen und diese sind selten zufällig. Wut, Enttäuschung oder Irritation zeigen an, dass ein oder mehrere Werte verletzt wurden. Genauso zeigt Freude, dass wir im Einklang mit ihnen gehandelt haben. Die Psychologin Susan David (Emotional Agility, 2016) beschreibt Gefühle deshalb als Datenpunkte, die auf das hinweisen, was uns wirklich wichtig ist. Sie sind Wegweiser, auch wenn wir sie im Alltag oft als Störsignal erleben.

Wer bei innerer Unruhe genauer hinschaut, was verletzt wurde und welches Bedürfnis dahinter steckt, bekommt ein besseres Gespür dafür, welcher Wert gerade eine Rolle spielt, und kann gezielter handeln.

Alle Werte sind erlaubt

Viele Menschen tragen Werte in sich, für die sie sich schämen. Anerkennung zum Beispiel. Sicherheit. Oder Zugehörigkeit. Gerade in Führungsrollen, in denen Stärke und Unabhängigkeit erwartet werden, wirken solche Werte schnell wie ein Makel.

Doch das ist ein Irrtum. Es gibt keine richtigen oder falschen Werte. Entscheidend ist nicht, welchen Wert wir in uns erkennen, sondern wie bewusst und verantwortlich wir damit umgehen. Wer sich dabei an Erwartungen orientiert – von sich selbst und anderen – statt an dem, was ihm wirklich wichtig ist, bekommt kein ehrliches Bild von sich. Im ungünstigsten Fall wird genau das unterdrückt, was uns wesentlich ist.

Das wiederum erschwert stimmiges Handeln. Denn wer nicht weiß, was ihn antreibt, versteht oft auch nicht, warum sich manche Entscheidungen falsch anfühlen oder bestimmte Situationen erschöpfen, während andere Energie geben.

Es gibt keine guten oder schlechten Werte. Es gibt nur bewusste und unbewusste.

Du entwickelst dich – und deine Werte mit dir

Werte werden nicht einmal gefunden und sind dann für immer festgeschrieben. Natürlich gibt es welche, die uns über lange Zeit prägen. Aber wie sie sich ausdrücken, was sie für uns bedeuten und welchen Platz sie in unserem Leben einnehmen, kann sich verändern.

Ein Wert wie Unabhängigkeit meint nicht in jeder Lebensphase dasselbe, nur weil das Wort gleich bleibt. In einer früheren Lebensphase kann er Freiheit bedeuten. Später vielleicht eher Selbstverantwortung oder die Möglichkeit, Entscheidungen bewusst zu treffen.

Deshalb hilft es, die eigenen Werte wie etwas Lebendiges zu behandeln, nicht wie eine starre Liste. Nicht alles, was dir einmal wichtig war, muss heute dieselbe Rolle spielen. Und nicht alles, was lange im Hintergrund war, muss dort bleiben.

Wenn du dir darüber klarer werden willst, hilft eine einfache Frage: Welche Werte brauchen gerade mehr Platz und welche sind in den Hintergrund gerückt?

Wenn Werte auf andere Werte treffen

Viele Reibungen im Führungsalltag haben weniger mit sachlichen Differenzen zu tun, als es auf den ersten Blick scheint. Was wie Widerstand wirkt, ist oft Ausdruck eines anderen Wertesystems. Zahlreiche Missverständnisse und Konflikte entstehen nicht, weil jemand unlogisch handelt, sondern weil unsichtbare Bewertungssysteme aufeinandertreffen.

Ein Beispiel dafür: In einem Meeting wird diskutiert, wann ein Projekt gestartet werden soll. Die einen wollen loslegen, weil die Richtung für sie klar genug ist, während die anderen bremsen, da sie zu viel Risiko und offene Fragen sehen. Beide Seiten haben gute Argumente und reden dennoch aneinander vorbei.

Hier zeigt sich ein Wertekonflikt. Die eine Seite priorisiert Wirksamkeit und Tempo, die andere Sorgfalt und Sicherheit. Beide Sichtweisen haben ihre innere Logik, aber solange das unsichtbar bleibt, dreht sich das Gespräch im Kreis.

Sobald sich die Perspektive verschiebt, verändert sich auch der Konflikt. Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, wer recht hat, sondern darum, was dem Gegenüber hier wichtig ist. So wird aus einem Wertekonflikt ein lösbares Problem.

Wenn mehrere Werte gleichzeitig zählen

Noch herausfordernder wird es, wenn der Konflikt im eigenen Inneren entsteht. Dabei geraten Werte in Spannung, die dir gleichermaßen wichtig sind. Wir alle kennen diese innere Zerrissenheit: Zwei Stimmen, die gleichzeitig rufen und sich zu widersprechen scheinen. Die eine verlangt vielleicht Integrität und die andere Loyalität. Beide haben ihre Berechtigung, was die Situation so schwierig macht.

In solchen Momenten hilft es, den Konflikt nicht als Entweder-oder zu behandeln. Entscheidend ist, die beteiligten Werte klar zu sehen und bewusst zu gewichten. Manchmal braucht einer für den Moment mehr Raum, ohne dass der andere damit verschwindet. So lassen sich innere Spannungen besser einordnen und Entscheidungen bewusster treffen.

Werte sind kein Regelwerk, das immer dieselbe Antwort vorgibt. Sie sind ein Bezugssystem, das Orientierung gibt und bewusstes Abwägen möglich macht. Je klarer du dein eigenes Wertesystem kennst, desto eher kannst du in solchen Spannungen bei dir bleiben.

Genau darin zeigt sich Führungsstärke.

Wie Werte dich unter Druck unterstützen

Ob Werte tatsächlich tragen, zeigt sich selten in stabilen Phasen. Spürbar wird es eher dann, wenn Unsicherheit zunimmt, Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen oder Spannungen im Raum stehen. Dann hilft kein Leitbild an der Wand. Was hilft, ist ein innerer Maßstab, auf den du zurückgreifen kannst, wenn keine Zeit für lange Analyse bleibt.

Gerade unter Druck werden Werte zu einem Orientierungspunkt. Sie helfen dabei, auch in unsicheren Situationen klar und glaubwürdig zu bleiben. Führungskräfte, deren Verhalten erkennbar auf einer inneren Haltung beruht, werden oft als verlässlicher wahrgenommen. Und genau das spürt auch das Team.

Informiere dich über mein Programm

Ziele geben Richtung – aber was gibt ihnen Kraft?

Werte wirken nicht nur in Entscheidungen und Konflikten. Sie entscheiden auch darüber, ob ein Ziel dich wirklich antreibt oder nur auf dem Papier sinnvoll klingt. Ziele, die tatsächlich tragen, entspringen einem inneren Bedürfnis und der Bedeutung, die wir mit ihnen verbinden.

Oft greifen Menschen bei der Zielformulierung zu dem, was logisch klingt oder notwendig erscheint. Doch solche Ziele verlieren schnell an Zugkraft. Sie funktionieren im Kopf, erreichen das eigene Handeln aber nicht.

Besonders deutlich wird das, wenn Ziele von außen kommen. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wo lässt sich eine Verbindung herstellen zwischen diesem Ziel und dem, was dir wichtig ist? Denn erst wenn ein Ziel für dich innerlich anschlussfähig wird, kannst du es auch überzeugend vertreten.

Auch in der Führung wird das relevant. Denn wenn du verstehst, wie ein Ziel innerlich tragfähig wird, kannst du andere besser dabei begleiten, ihren eigenen Zugang dazu zu finden.

So entdeckst du deine Werte

Deine Werte zeigen sich in deinen Erfahrungen und Reaktionen – zuverlässiger als in jeder Liste. Die folgende Übung aus meinem Buch Klarheit hilft dir, dein persönliches Wertegerüst zu entdecken – als Ausgangspunkt für die nächsten Schritte. Alles, was du brauchst: etwa 30 Minuten und etwas zum Aufschreiben.

  1. Entscheidungen mit Tiefgang

Denke an zwei bis drei wichtige Entscheidungen in deinem Leben, beruflich oder privat. Was war dir dabei besonders wichtig? Wofür bist du ein Risiko eingegangen? Wozu hast du spontan Ja oder Nein gesagt? Was war der innere Maßstab, an dem du dich damals orientiert hast?

  1. Was dich bewegt – positiv wie negativ

Erinnere dich an Situationen, in denen dich das Verhalten anderer tief berührt hat, im Positiven wie im Negativen. Was genau hat dich beeindruckt oder verletzt? Welche Qualität oder welches Verhalten stand im Mittelpunkt? Was war dir daran wichtig und warum?

Momente wie diese verdeutlichen, welche Werte für dich unverzichtbar sind.

  1. Emotionale Wegweiser

Wann warst du zuletzt richtig wütend, enttäuscht oder traurig? Was wurde da in dir verletzt? Welches Bedürfnis stand dahinter? Was hat diese Reaktion über deine Werte offenbart?

Oft zeigen sich unsere wichtigsten Werte genau dann, wenn sie nicht erfüllt werden.

  1. Beziehungsanker

Was brauchst du in Beziehungen, damit Vertrauen entstehen kann? Welche Eigenschaften erwartest du bei Menschen, mit denen du eng zusammenarbeitest oder lebst? Warum sind dir diese Eigenschaften so wichtig? Was fehlt dir, wenn sie nicht da sind?

Werte werden in Beziehungen oft besonders spürbar.

  1. Wirkräume im Beruf

Was brauchst du, um bei der Arbeit wirksam, klar und motiviert zu bleiben? Welche Bedingungen fördern deine Energie? Was demotiviert dich und warum? Welche Arbeitsweise entspricht dir?

Auch im beruflichen Kontext zeigen sich deine Werte oft klarer, als du denkst.

  1. Ziele mit Sinn

Welche zwei oder drei Ziele sind dir im Leben wirklich wichtig? Was erhoffst du dir davon, für dich selbst und andere? Was fehlt, wenn du sie nicht erreichst? Welche Werte spiegeln sich in diesen Zielen?

Langfristige Ziele machen innere Überzeugungen sichtbar.

  1. Muster erkennen – dein persönliches Wertegerüst

Schau dir nun deine Antworten in Ruhe an. Welche Begriffe, Bedürfnisse oder Haltungen tauchen immer wieder auf? Was zieht sich durch alle Situationen hindurch? Welche fünf bis zehn Werte sind für dich unverzichtbar?

Erstelle deiner persönliche Werteliste ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Perfektion. Es geht um ein bewusstes Bezugssystem, das dir in schwierigen Situationen Klarheit gibt. Wenn du dein Wertegerüst kennst, kannst du Entscheidungen treffen, die nicht nur logisch, sondern stimmig sind.

Fazit: Das Wertegerüst als Brücke zur Zielklarheit

Werte wirken, ob wir sie benennen oder nicht. Gerade deshalb lohnt es sich, sie besser zu kennen. Sie helfen dir, auch dann einen inneren Maßstab zu behalten, wenn es darauf ankommt.

Daher beginne ich in meiner Arbeit mit Führungskräften selten bei den Zielen selbst, sondern bei dem, was ihnen überhaupt erst Substanz gibt. Ein klarer innerer Maßstab verändert, wie Ziele formuliert werden – und damit auch, ob sie nur vernünftig klingen oder nachhaltig Kraft entfalten.

Diese Übung ist ein erster Schritt. In meinem Buch Klarheit findest du zwei weitere Übungen, die darauf aufbauen: das Werte-Charter, das dir hilft, jeden deiner Kernwerte konkret zu definieren, und das Werte-Rad als Navigationsinstrument für Momente, in denen mehrere Werte gleichzeitig relevant sind oder miteinander konkurrieren.

Und wenn du merkst, dass du diesen Prozess nicht allein sortieren möchtest, melde dich gern.

So erhältst du weitere Inspiration von mir:

📬 C.O.L.D. Water News abonnieren.
Monatliche Inspiration und praktische Strategien für deine (Selbst-)Führung in turbulenten Zeiten

👉 HIER KLICKEN UND ANMELDEN

💡 Mit meinem C.O.L.D.-WATER-Realitätscheck findest du in 3 Minuten heraus, wie belastbar deine Führung wirklich ist – und welcher Schritt dir hilft, sie zu stabilisieren.

👉 MACH HIER DEN REALITÄTSCHECK 

🤝 Gratis Kennenlerngespräch
Wenn du Lust hast, in einem vertraulichen Gespräch dein eigenes Führungsklima zu erkunden und zu justieren, freue ich mich, dich kennenzulernen.

👉 TERMIN VEREINBAREN

Herzlich,
Mirjam

P.S. Du willst noch mehr Lesestoff, der dir hilft, weiterzukommen?

Dann empfehle ich dir folgende Blogartikel:

Zu guter Letzt:

Du willst wissen, wie du Rückschläge leichter überwindest?

Du willst die Entstehungsgeschichte des Erfolgstools „C.O.L.D. Water Kompass“ genauer kennenlernen?

Dann hol dir hier meinen Kompakt-Ratgeber „Rote Karte für Rückschläge“.

C.O.L.D. WATER CHECK

gewinne Klarheit und Orientierung

Spring ins C.O.L.D. WATER

Finde in nur 3 Minuten heraus, welches Programm dich stärkt.