Mirjam Berle herself

Turbulente Zeiten bringen mich zu Höchstleistungen. Sie sind mein Element. Egal, ob eiskalte oder kochende Gewässer, wo sich etwas bewegt oder schmilzt, lässt es sich neu formen. Dann ergeben sich Chancen, Dinge zu verbessern und schneller voranzukommen.

Über die Autorin
17. Juli 2026
Lesezeit: 8 Minuten

Ins Tun kommen – und dranbleiben

Ins Tun kommen - und dranbleiben

Inhalt:

Klarheit allein bewegt (noch) nichts

Doing ist die letzte Phase der C.O.L.D.-Water-Methode. Zuvor hast du innegehalten, deine Lage ehrlich angeschaut, eine Richtung gefunden und erkannt, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen.

Wenn du das nicht tust, läufst du Gefahr, in blinden Aktionismus zu verfallen – mit viel Bewegung und wenig Wirkung.

Hast du die vorherigen Phasen durchlaufen, hast du alles, was du brauchst. Trotzdem bleiben die meisten an genau diesem Punkt stecken. Ein Muster, das ich in meiner Arbeit mit Führungskräften immer wieder sehe. Die Lücke zwischen Wissen und Handeln ist oft die größte Hürde, und Doing ist die Phase, in der sie überbrückt wird.

In diesem Artikel geht es darum, was das in der Praxis bedeutet. Welche Stolpersteine auftauchen, wenn der erste Schritt ansteht. Wie man dran bleibt, wenn es holprig wird. Und welche Werkzeuge helfen, auch nach einem Rückschlag wieder handlungsfähig zu werden.

Häufige Stolpersteine auf dem Weg ins Tun

Ins Tun kommen klingt einfacher als es ist. Dieselben Muster tauchen immer wieder auf, bei den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen. Der Wille fehlt dabei fast nie. Es sind konkrete Stolpersteine, die uns aufhalten.

Perfektionismus gilt als größter Feind des Fortschritts. Dahinter steckt meist die Angst vor den Konsequenzen: Was, wenn das Handeln alles noch schwieriger macht? Was, wenn der Zeitpunkt falsch ist? Diese Fragen sind nachvollziehbar. Sie halten uns aber in der Lähmung. Handeln braucht Ausprobieren, keinen perfekten Plan.

Endloses Planen folgt derselben Logik. Die Forschung zeigt: Je komplexer der Plan, desto unwahrscheinlicher die Umsetzung. Je mehr Optionen, desto schwerer die Entscheidung. Klarheit entsteht auch durch Begrenzung. Das bedeutet: einen Fokus wählen und eine Option priorisieren. Ein Plan, der gut genug ist, um loszulegen, ist gut genug.

Ohne durchdachte Routinen verpuffen gute Vorsätze im Alltag. Einen festen Zeitpunkt für die geplante Handlung zu wählen und daran festzuhalten, hilft. Aus Wiederholung wird Gewohnheit – und irgendwann braucht es keine Überwindung mehr.

Zu große Schritte sind ein weiterer Fallstrick. Sie erzeugen Überforderung, bevor wir überhaupt anfangen. Wenn du merkst, dass ein Vorhaben lähmt statt motiviert, solltest du es kleiner machen. Die geplanten Schritte müssen umsetzbar sein.

Rückschläge werden in der Doing-Phase schnell als persönliches Scheitern interpretiert, obwohl sie ein natürlicher Teil jeder Entwicklung sind. Denn auch das Stolpern gehört zum Weg.

Wie du mit kleinen Schritten wieder in Bewegung kommst und nach Rückschlägen handlungsfähig bleibst, schauen wir uns gleich genauer an. Vorher widmen wir uns noch einer weiteren Ebene, die das Handeln bremst: Gedankenmuster, die oft unbewusst wirken.

Mentale Blockaden und ihre kognitive Umdeutung

Unter Druck verengt sich das Denken. Das Gehirn sucht schnell nach Sicherheit und sortiert in bekannte Kategorien: Geht nicht oder Zu riskant. In diesem Moment fühlt sich das vielleicht nach Realität an, ist aber oft nur eine Reaktion auf den Druck selbst.

Daraus ergeben sich mentale Blockaden. Sie operieren unterhalb der Bewusstseinsschwelle und folgen bestimmten Mustern:

  • Katastrophisieren („Wenn das schiefgeht, ist alles vorbei.“)
  • Schwarz-Weiß-Denken („Entweder perfekt oder gar nicht.“)
  • Gedankenlesen („Die anderen denken bestimmt, ich blamiere mich.“)
  • Generalisieren („Ich mache immer alles falsch.“)
  • Sollte-Sätze („Ich sollte das längst können.“)

Diese Gedanken entstehen automatisch. Sie verzerren die Wahrnehmung und halten uns in einschränkenden Überzeugungen fest. Das Ergebnis: Man weiß, was zu tun wäre, und tut es trotzdem nicht.

Der Psychiater Aaron T. Beck prägte mit der kognitiven Verhaltenstherapie einen Ansatz, der automatische Gedanken sichtbar macht und überprüfbar werden lässt: Du benennst den blockierenden Gedanken, prüfst, ob er wahr ist, formulierst eine hilfreichere Alternative und verankerst diese bewusst. Aus „Das muss perfekt werden“ wird so „Ich darf Fehler machen und daraus lernen.“ Aus „Ich schaffe das nie“ wird „Ich schaffe den ersten Schritt.“

Das verändert sowohl deine innere Haltung als auch das Verhalten, das daraus folgt. Wie das konkret funktioniert, zeige ich dir ausführlich in meinem Buch „Klarheit“.

Das Umfeld miteinbeziehen

Den eigenen Blickwinkel zu erweitern, gelingt selten allein. Die Managementforscherin Herminia Ibarra beschreibt in ihrer Forschung, dass Netzwerke in Phasen beruflicher Veränderung ein entscheidender Hebel sind. Sie zeigen Perspektiven, die aus der eigenen Situation heraus unsichtbar bleiben, und bringen Optionen, auf die man allein nicht gekommen wäre.

Authentisches Interesse und Gegenseitigkeit sind dabei die Grundlage. Die Frage ist nicht nur, was andere einem geben können, sondern auch, wie man selbst für andere wertvoll sein kann.

Das gelingt am besten mit Offenheit. Und damit, sich Ziele zu setzen, aber den Weg dorthin nicht zu früh festzulegen. Richtung ist wichtig. Der genaue Weg ans Ziel ist es oft nicht. Wenn wir zu früh zu viel fixieren, verlieren wir die Fähigkeit, auf das zu reagieren, was sich unterwegs zeigt. Gespräche, die unerwartet eine Tür öffnen oder Kontakte, die einen Schritt ermöglichen, den man allein nicht gegangen wäre. Diese Möglichkeiten entstehen nur, wenn wir mit offenen Augen unterwegs sind.

Wenn du bemerkst, dass du gerade nicht weiter kommst, kannst du bewusst fragen: Welche Möglichkeiten sehe ich noch nicht und wer kann mir helfen, sie zu sehen? Das klingt simpel. Es verändert aber, welche Wege du gehst.

Deshalb gilt: Lenk dein Denken in Richtung Optionen statt in Richtung Sackgassen.

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Emotionselastizität als Unterstützung bei Rückschlägen

Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. Was im Kopf klar war, trifft irgendwann auf die Realität – und die sieht selten so aus wie geplant. Gespräche verlaufen anders als erwartet. Ein Schritt, der sich richtig angefühlt hat, bringt nicht das erwartete Ergebnis. In solchen Momenten entscheidet sich, ob man stehen bleibt oder weitergeht.

Emotionselastizität ist die Fähigkeit, nach innerem Stress wieder handlungsfähig zu werden.

Drei Grundelemente tragen dazu bei:

  1. Akzeptanz bedeutet, unangenehmen Gefühlen Raum zu geben, anstatt sie beiseitezuschieben. Sie verlieren an Bedrohlichkeit, wenn man sie da sein lässt.
  2. Perspektive bedeutet, den Blick zu weiten. Ein Rückschlag ist fast nie das Ende, lediglich ein Hinweis, dass etwas angepasst werden muss.
  3. Aktion bedeutet, trotz innerer Unruhe den nächsten Schritt zu gehen.

Die Resilienzforschung zeigt: Belastungen werden besser bewältigt, wenn wir einordnen können, was passiert, und wenn wir das Gefühl haben, dass wir dem nicht einfach ausgeliefert sind. Dieses Gefühl der Handlungsfähigkeit entscheidet darüber, ob man nach einem Rückschlag wieder in Bewegung kommt.

Dabei unterstützt die Emotionselastizität-Formel: FEEL – FRAME – FOCUS – FORWARD.

FEEL: Wahrnehmen, was gerade in dir los ist, ohne etwas wegzudrücken oder zu dramatisieren.

FRAME: Die Situation einordnen. Welche Geschichte erzählst du dir gerade und welche wäre hilfreicher?

FOCUS: Dich an das erinnern, was du kannst und was dir zur Verfügung steht. Du wirst handlungsfähig, wenn du deine Ressourcen klar wahrnehmen kannst.

FORWARD: Den nächsten kleinen Schritt gehen, der dich wieder in Bewegung bringt.

Diese vier Schritte klingen einfach. Was sie leisten, ist es nicht. Die Formel setzt dann an, wenn Gefühl und Verstand auseinanderdriften, bringt beides wieder zusammen und macht daraus Umsetzungsstärke. Weitergehen mit den Gefühlen statt trotz ihnen – das ist Emotionselastizität in der Praxis.

Übung zur Emotionselastizität-Formel

Die Emotionselastizität-Formel entfaltet ihre Wirkung, wenn du sie konkret anwendest. Plane dir dafür 20 bis 30 Minuten ein und halte ein Notizbuch bereit.

Schritt 1: FEEL: Die Emotion annehmen

  • Benenne, was du gerade fühlst, so präzise wie möglich. Ist es z. B. Enttäuschung, Frustration, Scham oder Wut?
  • Lass die Emotion da sein und spüre sie
  • Atme ruhig, ohne zu bewerten oder abzulenken

Frage dich: Was fühle ich genau, und warum ist das in Ordnung?

Schritt 2: FRAME: Die Situation neu einordnen

  • Was wäre eine hilfreichere Perspektive auf diese Situation?
  • Was kannst du über dich, dein Vorgehen oder dein Umfeld lernen?
  • Wie würdest du in einem Jahr auf diesen Moment zurückschauen?

Frage dich: Was nehme ich aus dieser Erfahrung mit, selbst wenn sie weh tut?

Schritt 3: FOCUS: Den Blick neu ausrichten

  • Was liegt jetzt in deiner Kontrolle?
  • Was kannst du konkret beeinflussen?
  • Was lässt du bewusst los?

Frage dich: Worauf will ich meine Energie jetzt richten?

Schritt 4: FORWARD: In Bewegung kommen

  • Was ist ein kleiner, sofort machbarer Schritt?
  • Wer könnte dich dabei unterstützen?
  • Wie hältst du das Momentum aufrecht?

Frage dich: Was mache ich als Nächstes, und wann?

Schritt 5: Rückblick und Ressourcen stärken

  • Was hat dir geholfen, wieder stabil zu werden?
  • Welche Erkenntnisse willst du dir merken?
  • Wie möchtest du künftig mit Rückschlägen umgehen?

Deine Notizen werden zum Orientierungspunkt für das nächste Mal, wenn etwas ins Stocken gerät. Emotionselastizität ist wie ein Muskel. Je öfter du ihn nutzt, desto verlässlicher wird er. Auch kleine Frustrationen im Alltag sind Gelegenheiten zum Üben. Je vertrauter die Formel wird, desto verlässlicher greift sie in turbulenteren Momenten.

Der kleinste Schritt zählt

Ein häufiges Missverständnis: Ins Tun zu kommen bedeutet nicht, den direkten Weg von Anfang bis zum Ende zu gehen. Es gibt verschiedene Zwischenschritte, je nach Ziel. Manchmal ist der nächste Schritt ein Gespräch. Manchmal eine Recherche oder auch nur das Öffnen eines Dokuments, das schon zu lange wartet. Nicht die Größe des Schritts zählt, sondern dass er gegangen wird.

Jeder umgesetzte Schritt löst eine sofortige Reaktion im Gehirn aus. Dopamin wird ausgeschüttet, noch bevor ein Ergebnis sichtbar ist. Das Gehirn registriert: Es geht voran. Daraus entsteht Antrieb für den nächsten Schritt. Und das erzeugt Zugkraft.

Wer das einmal erlebt hat, versteht, warum kleine Schritte mächtiger sind als große Vorsätze.

Einen reibungslosen Ablauf gibt es dabei fast nie. Manchmal zögerst du, manchmal fängst du an und brichst ab. Das gehört dazu. Wichtig ist, dass du bewusst wahrnimmst, wenn ein Schritt gelungen ist – und das auch feierst.

Dein Gehirn lernt durch positive Erfahrungen. Je öfter du merkst, dass der erste Widerstand überwindbar ist, desto stärker wird dein Handlungsmuskel.

Eine Teilnehmerin eines meiner Coaching-Programme fasste es einmal so zusammen: „Der erste Schritt fühlte sich an wie ein Sprung ins Ungewisse. Aber als ich merkte, dass ich schwimmen kann, wurde daraus ein entspanntes Gleiten.“

Handeln ist kein gerader Weg

Doing ist die Phase, in der sich entscheidet, ob aus Klarheit etwas Konkretes wird. Durch den nächsten Schritt. Und dann den übernächsten.

Handlungsfähigkeit in bewegten Zeiten hängt weniger davon ab, was um dich herum passiert, als davon, wie du damit umgehst. Führungskräfte, die das verinnerlicht haben, behalten die Orientierung, auch wenn ihr Umfeld sich verändert. Sie führen klarer und erholen sich schneller, wenn etwas nicht wie geplant verläuft.

Diese Phase zeigt vor allem eines: Man kommt weiter als gedacht, wenn man anfängt … und dranbleibt.

In meinem Buch „Klarheit“ begleite ich dich durch alle vier Phasen der C.O.L.D.-Water-Methode. Falls du das lieber gemeinsam angehen möchtest, melde dich gern.

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Mirjam

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Zu guter Letzt:

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